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Bildband: War Porn von Christoph Bangert

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Meistens, wenn ich ein Bildband, Buch oder Spiel vorstelle benutze ich äußerst positive Adjektive wie fantastisch, gelungen, atemberaubend und andere. Manchmal auch nicht ganz so positive. Doch im Fall von War Porn, fällt es mir schwer diese Adjektive zu gebrauchen. Ja, War Porn von Christoph Bangert ist ein Fall für sich.

Was nicht heißt, dass dieses Bildband nicht gut ist. Es ist gut, auf seine eigene Weise. Und das Ziel, welches es verfolgt, das erreicht es auch, meiner Meinung nach.

Fangen wir mit dem Titel an. War Porn. Der Begriff Porn wird meistens in einem positiven Zusammenhang gebracht. Wenn etwas richtig gut ist, hängen wir gerne ein Porn dran. Das bekannteste ist wohl Food Porn. Schöne Bilder, von schönem Essen. Es gibt auch noch einige weitere Derivate davon.

Aber War Porn, irgendwie ein Wiederspruch. Schöne Bilder vom … schönen Krieg? Nein. Das ist War Porn nicht. Es ist sogar genau das Gegenteil. Und genau das führt dazu, dass ich keine schönen, positiven Adjektive für dieses Bildband finde. Es ist ein sehr starkes und meiner Meinung nach auch wichtiges Bildband, denn es zeigt den Krieg so wie er ist. Grausam, entsetzlich und abstoßend. Denn es zeigt die Opfer. Unzensiert.

Für mich war es auf jeden Fall eines. Desillusionierend.  Kriegsfotografie hatte für mich seit ich ein Bildband von Robert Capa eine ganz gewisse Romantik. Nun natürlich nicht eine Candlelight Dinner Romantik, aber eine abenteuerliche. Man sah die Fotos und war fasziniert, denn der Mensch hat eine voyeuristische Veranlagung. Auch Robert Capa hat Szenen fotografiert, die alles andere als schön waren, doch trotzdem hatten seine Bilder immer eine Faszination in mir erweckt. Und dadurch auch ein vererztes Bild vom Krieg. Auch heutigen Kriesengebiet Fotografen und Reportagen, ist es oft so. Es wird leid gezeigt, dass in uns ein schlechtes Gefühl aufkommen lässt. Man ist betroffen über die jeweiligen Zustände. Den jeweiligen Krieg. Die Opfer. Doch bei War Porn liegt die Sache noch anders.

Man bekommt Bilder zu sehen, die sonst nirgends erschienen wären. Keine Stern- oder Spiegeltauglichen Bilder. Diese Bilder zeigen den Schrecken und die dunkle Seite des Krieges mehr als alle anderen. Und man selbst als Betrachter führt einen Kampf, bei jedem Seitenumschlag. Leichen, Körperteile, Verwesung. Man bekommt die Bilder zu sehen, die man eigentlich gar nicht sehen will. Man ist sich immer Bewusst, dass es diese Sachen gibt, wenn man vom Krieg hört. Doch wenn man sie nicht sieht, verdrängt man es irgendwie.

War Porn jedoch, führt genau diese Dinge, dem Betrachter vor Augen und dieser muss sich dann damit auseinandersetzen. Ich muss zugeben, ich hatte große Probleme diesen Bildband bis zu Ende zu schauen. Ich habe ihn mehrmals weg gelegt und wieder angefangen. Nicht nur, dass die Bilder einem ein flaues Gefühl im Magen bereiten, es ist noch mehr. Einige der Seiten haben eine Doppelseite die eine Perforation hat und die man erst mit einem Messer aufschneiden oder mit den Händen aufreißen muss. Was in einem ein sehr merkwürdiges Gefühl auslöst. Da die Bilder die “in den Bildern” stecken, oft sehr brutal und heftig sind, überlegt man es sich oft zwei Mal, ob man das jetzt wirklich aufreißen will.

Bei den ersten Seiten, die ich öffnen musste ging es noch. Aber je länger es gedauert hat, desto ungewillter war ich. Es war eine Gratwanderung zwischen Voyeurismus und Abscheu.

Und genau deswegen finde ich auch, dass das Bildband ein wichtiges ist. Es stellt einiges  zur Diskussion und es weckt ohne Zweifel Emotionen. Trotzdem fällt es mir schwer, es ohne weiteres weiterzuempfehlen. Es ist nicht das typische Bildband für das Bücherregal. Trotzdem ein wichtiges Bildband.

 

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Meistens Student. Oft Spieleentwickler und fast immer Blogger. Twitter-Junkie sowie Fotokamera halter. Meistens blogge ich weil ich nichts anderes zu tun habe. Was so viel heißt wie, ich drücke mich vor der Arbeit indem ich blogge.