Moin,
zwar wurde ich von Jakub ja schon als “der Neue” angekündigt, ich stelle mich trotzdem nochmal kurz vor.
Ich studiere Philosophie und Geschichte, komme aus Bochum und bin 25 Jahre alt. Ich werde eher Dinge aus Bereichen posten, die sich um alternative Musik, vor allem Grunge der 90er drehen oder auch Büchervorstellungen schreiben und wenn ich es mir zutraue, auch interessante Dinge aus meinem Studium wiedergeben.
Um gleich mit dem anzufangen, was mich seit mittlerweile 10 Jahren beschäftigt, nämlich die Rockmusik, habe ich einmal darüber nachgedacht, welche Musik-Videos für mich persönlich die Highlights sind, die grob auch in meinen Musikgeschmack passen und komischerweise war mir die Nummer 1 sofort klar – ohne lange darüber nachdenken zu müssen. Dazu aber später mehr.
Natürlich fragt man sich, WAS ist es eigentlich, was ein perfektes, wertvolles, anspruchsvolles (?) oder künstlerisches Musik-Video ausmacht? Fasziniert einen die Erzählung einer Geschichte? Nicht immer, denn ich kenne viele Musik-Videos, die allein durch “schöne” oder auch aufsehenerregende Bilder wirken. Ist es eher die Musik, die die Hauptrolle spielt und man nimmt in Kauf, dass Bilder dazu gezeigt werden, die das musikalische Erlebnis zumindest nicht schlechter machen? In vielen Fällen wird es genau so sein, denn oft denkt man erst an das Lied und das Video dazu ist eben “ganz ok”. Als ich mir eine Auswahl überlegt habe, war es eher eine “Atmosphäre”, die die Bilder übermitteln, die entweder zu Erinnerungen an das Lied passen (z. B. Smashing Pumpkins – 1979) oder aber diese gewisse Atmosphäre wird dadurch übermittelt, dass Musik und Bilder für mich harmonisieren, ohne dass ich persönlich etwas damit verbinde.
Jeder kennt irgendwie das Lied und irgendwie auch dieses Bienen-Mädchen. Vielleicht ist es auch ein Hummel-Mädchen. Blind Melon kennt hingegen so gut wie niemand und leider war No Rain auch ihr einzig wirklich erfolgreiches Lied. Das Video sollte man trotzdem einfach mal gesehen haben, falls man es doch noch gar nicht kannte.
http://www.myvideo.de/watch/3551670/Blind_Melon_No_Rain
Ein gutes Beispiel für die Verbindung von Musik – Text – Video ist sicherlich Metallicas One.
Der Text geht zurück auf den Roman bzw. Film Johnny Got His Gun aus dem Jahr 1939 bzw. 1971. Musikalisch schafft es Metallica, mit ihren Instrumenten eine akustische Darstellung des Krieges herzustellen. Um das Medium Video miteinzubringen, fehlt also nur noch, Bilder zu verwenden, die die Beklemmung des Kriegsverwundeten für jeden sichtbar machen, die einfach aus dem Film übernommen werden – aber oder gerade deshalb perfekt passen. Quasi als Krönung gibt es auch eine Stimme aus dem Off, die direkt aus der Verfilmung übernommen wurde und die Stimmung einfach einfängt und auf den Punkt bringt.
http://www.myvideo.de/watch/4938441/Metallica_One
Neben so “konzeptlastigen”, gibt es aber auch Videos, die einem einfach im Gedächtnis bleiben, weil sie schöne Bilder zeigen, bei denen man einfach nicht wegschalten oder weiterklicken kann. Sie sind oft eigentlich nichts besonderes, aber man bekommt einfach genau das Gefühl, die Videos seien einfach “schön” oder “verstörend”.
Schön ist das Video zu Island In The Sun von Weezer, was ich einfach immer wieder gucken könnte, weil es den Sommer – passend zum Lied – einfach perfekt in Bilder fasst, ohne dabei irgendetwas aussagen zu wollen.
http://www.myvideo.de/watch/4867075/Weezer_Island_In_The_Sun
Verstörend oder zumindest nicht im eigentlichen Sinne “schön” ist Stinkfist von Tool. Sicherlich könnte man bei dieser Band in genau dergleichen Kategorie auch Schism oder Parabola nennen, aber für mich ist eben Track#1 (wie Stinkfist von MTV genannt wurde) so ein Video, dass allein aufgrund seiner Bilder im Gedächtnis bleibt, ohne unbedingt gleich eine Geschichte erzählen zu müssen.
http://www.youtube.com/watch?v=07pLGIgyfjw
Manche Videos sind nicht schön oder faszinierend. Sie sind sogar SO nicht-schön, dass sie von MTV aufgrund ihrer Hässlichkeit nicht ausgestrahlt werden. So ist es TAD ergangen, als sie ihr Video zu Plague Years einschickten. Für die Band sowieso als Scherz gedacht, wurde es dadurch nur besser, denn wer kann von sich schon behaupten, MTV hätte einen abgelehnt, weil man zu hässlich sei. Für mich ist das Video also wegen seiner eigenen Geschichte einfach nur cool.
http://www.youtube.com/watch?v=-24wYEPZDmg
Was ich interessant finde, ist, dass der persönliche Musikgeschmack bei Videos nicht unbedingt die Hauptrolle spielen muss. Mobys Why Does My Heart Feel So Bad ist eher ein Lied, was ich mir zwar anhören kann, aber naja… Es ist eben einfach nicht so mein Ding. Das Video hingegen habe ich, wenn es früher mal nachts im TV lief, nie wegschalten können.
Irgendwie erinnert mich die Hauptfigur auch immer (gerade am Anfang) an Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry, falls das jemand kennt. Wahrscheinlich soll es auch so sein.
http://www.youtube.com/watch?v=1AHs7uAV1mA
Auf irgendeine Weise “witzig” ist auch Smack My Bitch Up von The Prodigy. Leider oft nur in einer zensierten Version zu sehen. Das kann einfach nicht der Sinn eines Videos sein, denn ich begreife Musik-Videos auch irgendwie als Kunst und solange eben nicht absolut geklärt ist, ob es in einer Weise nicht-ironisch gemeinter Anti-Feminismus, Rassismus oder homophob ist, kann man so etwas wie ein Kunstwerk nicht einfach “kastrieren”, nur weil es “anstößig” (was für ein Wort allein) oder “zu realistisch” ist.
http://www.myvideo.de/watch/7059909/The_Prodigy_Smack_my_Bitch_up_Uncut
Eines meiner Lieblingsbeispiele für absolut “langweilige” Videos, die nur durch Musik wirken ist Day-Glo von Hazel. Das Lied ist einfach genialer Portland-Grunge von Anfang der 90er, das Video hingegen einfach nur… nichtssagend und langweilig, deshalb aber eben nicht gleich schlecht. Musikalisch ist Hazel vor allem deshalb interessant, weil die zweite Stimme (die Schlagzeugerin) teilweise andere Texte parallel zum normalen Gesang singt und manchmal sogar andere Melodien UND Texte.
Achja, wer sich fragt, was für ein bärtiger, großer Typ da rumtanzt: der Mann war festes Band-Mitglied, aber nur zum Tanzen auf der Bühne da. Manchmal in Kostümen, meist einfach nur… am abspacken.
http://www.youtube.com/watch?v=nr9KAZi1ZS0
Auch auf irgendeine Weise langweilig ist das Video zu Subterranean Homesick Blues von Bob Dylan. Wenn ich mich nicht irre, gab es ein ähnliches Video von Wir Sind Helden als Tribut an Dylan; das Original ist jedenfalls für mich legendär, weil es seiner Zeit schon ein wenig voraus war als bewusst konzipiertes Musik-Video zur Untermalung der Musik. Ohne dabei in irgendeiner Form etwas besonderes oder aufsehenerregendes zu sein.
http://www.myvideo.de/watch/2260537/Bob_Dylan_Subterranean_Homesick_Blues
Unangefochten auf Platz 1 ist für mich aber Do The Evolution von Pearl Jam. Wer das Video nicht kennt, sollte es sich unbedingt angucken, denn hier stimmt einfach alles (meiner Meinung nach).
Faszinierende Bilder, ein Bezug zum Lied, eine gezielte künstlerische Umsetzung, Symbolik in jedem einzelnen Bild und und und… Alles in allem eine komplette Ausreizung der Möglichkeiten des Musik-Videos. Mehr gibt es eigentlich nicht dazu zu sagen. Und gerade deshalb für mich einfach das beste Musik-Video aller Zeiten.
http://www.myvideo.de/watch/657909/Pearl_Jam_Do_The_Evolution
Das hier ist sicherlich keine besondere Auswahl oder eine Sammlung von “Geheimtipps”, sondern mehr etwas, was mich schon länger beschäftigt hat. Musik-Videos sind eben nicht unbedingt nur Beiwerk von immer gleichen Chart-Liedern und lustlose Aufnahmen der Bands oder SängerInnen hinter irgendeiner austauschbaren Kulisse.
Ich denke, dass jeder so ein paar Musik-Videos im Kopf hat, die einen an etwas erinnern oder die einem einfach im Gedächtnis geblieben sind und vielleicht kannte ja auch der/die ein oder andere auch manches noch nicht.
